Der Innungstag begann mit einer Betriebsbesichtigung bei der Liebherr-Components in Biberach. Bevor es in die Werke Wälzlager und Getriebe ging, führte der ehemalige Ausbildungsleiter Waldemar Schalt die Landtechnischen Unternehmer in die beeindruckende Firmengeschichte ein. Das Unternehmen Liebherr, dessen Grundstein im Jahr 1949 gelegt wurde, hat sich zu einem erfolgreichen internationalen Unternehmen entwickelt. Heute umfasst es 13 Produktsegmente. Im Jahr 2025 beschäftigte die Firmengruppe 55.963 Mitarbeitende und erzielte einen Gesamtumsatz von 14.772 Milliarden Euro.
Noch vor dem Betreten der Werkshalle fiel auf dem Hof ein besonderer Vergleich ins Auge: Neben dem ersten Baukran des Unternehmens, einem Liebherr Form 16 aus dem Jahr 1952 mit 30 Metern Hakenhöhe und zwei Tonnen Traglast, stand ein modernes Modell. Der 370 EC‑B 12 Fibre aus dem Jahr 2021 erreicht 48 Meter Hakenhöhe und hebt bis zu zwölf Tonnen.
Doch nicht nur die Dimensionen unterscheiden die beiden Krane. Während frühere Modelle überwiegend mechanisch ausgelegt waren, prägen heute Elektrik und Elektronik den Kranbau – inklusive Aufzug für den komfortablen Zugang zum hoch gelegenen Führerhaus.
Auf dem Werksgelände lagert viel Stahl. Da im Unternehmen nicht auf Vorrat produziert wird, ist jedes einzelne Teil bereits einem Auftrag zugeordnet. In der Halle werden Wälzlager mit Durchmessern von 80 cm bis zu 9 m gefertigt. Im Dreischichtbetrieb fräsen CNC-Maschinen die Zähne präzise in den Stahl, anschließend werden beim Induktionshärten gezielt nur Zähne und Laufbahn gehärtet.
Auf dem Weg in das Getriebewerk erklärte Herr Schalt den Innungsmitgliedern, dass an dem Doppelturmkran, welcher hier auf dem Hof aufgebaut ist, seit 18 Jahren Kunststoffseile getestet werden, die mit einer dauerhaften Last von rund vier Tonnen laufen. Gemessen werden dabei unter anderem Temperatur und Reibung. Gegenüber klassischen Stahlseilen bieten sie klare Vorteile. Sie sind korrosionsfrei und deutlich leichter, wodurch Krane mehr Last heben können.
Im Getriebewerk begann der Rundgang bei den Radantrieben für Mining Trucks.
Die elektrischen Radantriebe werden je nach Fahrzeug mit Elektromotoren von 4 bis 4.000 kW ausgestattet. Anschließend ging es an den Montagearbeitsplätzen für verschiedene Getriebearten vorbei. Insgesamt werden in diesem Werk 600 verschiedene Getriebe gebaut. Den Abschluss bildeten die Schwerlastwinden, die das Werk zur weiteren Montage in die Kundenanwendungen nach Rostock oder Ehingen verlassen.
Ein herzlicher Dank gilt Herrn Schalt und dem Unternehmen Liebherr für die interessanten Einblicke in das Unternehmen.
Jahreshauptversammlung
In seiner Begrüßung freute sich Obermeister Anton Harscher über die rege Teilnahme. Diese zeige, wie wichtig den Anwesenden die gemeinsame Arbeit für das Handwerk und die Zukunft ihrer Betriebe sei. Die Innung sei mehr als nur eine organisatorische Struktur – sie sei ein Ort des Austauschs, der Zusammenarbeit und der gegenseitigen Unterstützung. Harscher wünschte seinen Innungskollegen eine erfolgreiche Versammlung, gute Gespräche und wertvolle Erkenntnisse.
In seinem Vortrag ging Rolf Jansen auf die zunehmenden Gefahren durch die steigende Zahl von Lithium-Ionen-Akkus in Betrieben ein. Er zeigte Maßnahmen zur Risikominimierung auf. Ziel sei es, Unternehmer für mögliche Gefahren zu sensibilisieren. Zudem empfahl er, die Lagerung mit dem Versicherer abzustimmen und sich entsprechende Vereinbarungen schriftlich bestätigen zu lassen.
Im weiteren Verlauf stellten die Lehrer Wolfgang Fürst und Helmut Kieble von der Geschwister-Scholl-Schule Leutkirch das digitale Lernprogramm ELECTUDE vor. Es dient im Unterricht zur Vertiefung von Lerninhalten. Auszubildende bearbeiten dabei interaktive Aufgaben, etwa am animierten Dieselmotor oder an digitalen Schaltplänen. In einem Simulator wird ein kompletter Kundenauftrag mit Fehlerdiagnose und virtuellen Messgeräten abgearbeitet.
Herr Michael Rabe vom Landesverband ging in seinem Vortrag auf die Neuausrichtung des Berufsbilds, die neuen ÜBA-Lehrgänge sowie das umfangreiche Beratungsangebot des Verbands ein. Zudem stellte er den Cybersicherheits-Check vor und betonte angesichts der gestiegenen Zahl von Cyberangriffen die besondere Dringlichkeit des Themas.
Zum Ende des Innungstags wünschte Obermeister Anton Harscher den Anwesenden alles Gute sowie den nötigen Optimismus für den Start in die neue Saison.
Die Innung wird sich zudem aktiv an beiden Ausbildungsmessen in Ravensburg und Wangen sowie an den Handwerker Games auf der Oberschwabenschau beteiligen.
Autor: Michael Rabe, LandBauTechnik BW
(DW)

